ZDF, 30. 8. 2015, 18:30, ab Minute 21 bis Minute 29
Plötzlich sind sie da: Seltsame Brummtöne. Was steckt dahinter?
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Auszug (Abschrift)
Es gibt aber auch andere Phänomene, die Forscher vor große Rätsel stellen: Brummtöne zum Beispiel, die nicht von jedem gehört werden, den Betroffenen aber den allerletzten Nerv rauben.
Tiefe Nacht in Donaueschingen. Die meisten Bewonder der Stadt schlafen tief und fest. Nicht so Lucia Krug.
Das Geräusch hab ich sofort gehört dann nachts: Wie so von ner Turbine. Son‘ hoher Dauerton. Die ganze Zeit. Huuhh. Son Dauerton war das.
Doch aus ihrem Haus kann das nicht kommen. Da ist alles in Ordnung. Lucia Krug recherchiert und erfährt: Sie leidet nicht als einzige an einem mysteriösen Brummen. Auch anderswo werden Menschen von zermürbenden Dauertönen geplagt:
„Wenn ich jetzt so richtig zudrücke … dann isser weg. Aber ich kann nicht den ganzen Tag mit geschlossenen Ohren rumrennen.“
„Also am Anfang ging‘s mir nur immer drum, was das ist, und dass man dem doch ein Ende machen kann“
Lucia Krugs Nachforschungen ergeben: Offenbar gibt es eine Art Hotspot für die Brummtöne, denn die Berichte der Betroffenen stammen vor allem aus dem süddeutschen Raum.
„Konstanz, Freiburg, Schönau … boah. Brummton raubt Betroffenen den Schlaf. Wie wahr! Also ich kann mitfühlen: Das ist die Hölle. Man geht wirklich durch die Hölle!“
In Süddeutschland ist das Problem zeitweise so massiv, dass sich die Landesanstalt für Umweltschutz in Baden-Württemberg und die Bundesanstalt für Geowissenschaften einschaltet. Doch ihre Untersuchungen im hörbaren Bereich bringen keine Klarheit. Deshalb prüfen die Forscher auf der schwäbischen Alb, ob Frequenzen unterhalb des hörbaren Bereichs, sogenannter Infraschall, das Brummen verursachen kann. Doch auch das bestätigt sich nicht.
In Donaueschingen nimmt Lucia Krug eine benachbarte Brauerei ins Visier. Rund 50000 Flaschen gehen hier stündlich vom Band. Schon seit 1739 wird dort gebraut. Das angrenzende Wohngebiet entsteht erst viel später. Anwohner legen Beschwerde gegen das Brauhaus ein. Doch nächtliche Lärmtests zeigen: Der Betrieb liegt noch unterhalb den erlaubten 45 Dezibel.
„Wo das Gewerbeaufsichtsamt eben gesagt hat, dass es wirklich noch unterhalb der Grenze der erlaubten Dezibel ist, das war sehr heftig und nach einer gewissen Zeit überlegt man sich schon mal: Also jetzt entweder Wohnungssuche oder an die Ursache gehen.“
Umziehen kommt für Lucia Krug nicht in Frage. Und das Brummtonopfern oft unterstelle überempfindliche Gehör lässt sie nicht gelten.
„Dann hats aber zu dem Zeitpunkt sehr viele sensible Menschen gegeben. Da war ich aber nicht die Einzigste.“
Auch die Landesanstalt für Umweltschutz bescheinigt einem Großteil der Betroffenen ganz normales Hörvermögen.
Weltweit werden immer wieder rätselhafte Brummtöne aufgezeichnet.
Ein bedrohliches Grollen in Telahassie / Florida jagt den Bewohnern Angst ein,
im irischen Armagh ertönt plötzlich ein mysteriöses Pfeifen,
in Mexico City ertönt auf einmal ein Dauerton.
Ein weltumspannendes Phänomen also, hinter dem womöglich natürliche Ursachen stecken.
Beispiel Polarlichter: Die erzeugen am Nordpol in rund 70 Metern Höhe ein dumpfes Knacken. Breite Windfronten verursachen nicht nur Wellen, sondern auch ein niederfrequentes Brummen.
2012 wird die US-Stadt Seattle mehrfach von einem merkwürdigen Brummton heimgesucht. Über mehrere Wochen melden Nachrichtenportale und Anwohner ein tiefes Geräusch, das den Schlaf raubt. Dann präsentiert ein Wissenschaftler eine möglicher Erklärung: Hinter dem Brummton stecken könnte der Bootsmannfisch. Während der Paarungszeit versuchen Männchen die Weibchen mit Summtönen anzulocken. Und Bootsmannfischchöre können extrem laut werden.
Doch es gibt auch Töne, die nicht lokal begrenzt bleiben, sondern sich über die ganze Erde ausbreiten können.
Denn jeder Vulkanausbruch, jedes Brodeln unter der Erdoberfläche verursacht einen enormen Krach.
Was die Ruhe auf unserem Planeten besonders stört, sind Erdbeben. Die Erdkruste ächzst unter der enormen Kraft, der sie ausgesetzt ist. Dabei bringt das Schwingen der Erde auch die Luft derart in Wallung, dass diese Schallwellen mitunter zu hören sind.
Kalbende Gletscher und brechendes Packeis schlagen mit einer immensen Wucht gegen das Meerwasser. Auch das versetzt die Erde in Schwingungen.
Genau wie Murenabgänge und Erdrutsche, bei denen sich hunderttausende Kubikmeter Gestein und Geröll mit großem Getöse bewegen.
Ob solche Nuturphänomene auch hinter dem Brummton in Donaueschingen stecken, könnte sich hier im Schwarzwald klären. In der geophysikalischen Forschungsstation des Karlsruher Instituts für Technologie und der Universität Stuttgart. Der Arbeitsplatz des Geophysikers Rudolf Widmer-Schnidrig befindet sich 700 Meter tief im Stollen einer früheren Silbermine. Nur hier unten sind seine extrem empfindlichen Geräte ausreichend abgeschirmt. Denn jeder kleinste Luftzug könnte seine Messungen beeinflussen. So kann Widmer-Schnidrig selbst kleineste Schläge auf die Erdoberfläche exakt aufzeichnen.
„Es kommt gleich wieder ein Signal von einem Erdbeben, dann tönt das so.. Wenn ich jetzt einen Tag auswähle, an dem ein großes Erdbeben stattgefunden hat, das Erdbeben ist fast als ob der Klöppel die Glocke anregt“
Doch nicht nur einmalige Ereignisse wie Erdbeben erzeugen Töne, die Erde besitzt auch ein Grundrauschen:
„Ursache hauptsächlich die Brandung an der Atlantikküste
Denn der Druck des Wasser und der Atmosphäre quetschen und verdrehen ständig die Erdoberfläche. Dabei entstehen Schwingungen, die das Rauschen erzeugen.
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